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Besitzstandswahrung: Abwicklung von Freiheit und sozialer Integration

Die Vorteile von Besitz und dem Schutz eigenen Besitzes liegen für den Besitzenden kurzfristig in der Annahme langfristiger Absicherung von - je nach Art des Besitzes - Wohlstand, Komfort oder grundlegendem Schutz von Leib und Leben. In dieser Differenzierung liegt schon die Frage nach Umfang und Sinnhaftigkeit notwendiger Besitzsicherung.

 

Besitz zum Schutz von Leib und Leben, wie Kleidung und Nahrung, gilt in Verhältnis zur angemessenen Nutzung ohne Kritik als notwendig. Der Körper benötigt und  bekommt Nahrung, um funktioren zu können. Der Körper benötigt Kleidung zum Schutz vor Kälte und Nässe, der Geist benötigt Kleidung zum Schutz des Körpers vor Blicken und Scham. Der Besitz von Nahrung und Kleidung ist also in jedem Fall notwendig. Können wir aber immer von einem angemessenen Besitz und einer angemessenen Nutzung von Nahrung und Kleidung sprechen? Besitzen und nutzen Menschen angemessen?

 

Bei der Nahrung ist es einfach, über angemessene Nutzung (in der Folge des Besitzes) zu sprechen. Bekommt der Körper weniger als angemessen zu Essen und zu Trinken, schränkt das die Funktion des Körpers kurzfristig ein. Handlungsbedarf ist schnell erkennbar. Die Zufuhr von Nahrung muss auf ein angemessenes Maß erhöht werden, um den Körper vor langfristigen Schädigungen zu bewahren. Bekommt der Körper mehr als angemessen zu Essen, schränkt das die Funktion des Körpers mittel- und langfristig ein. Die Zufuhr des Körpers muss auf ein angemessenes Maß begrenzt werden, um den Körper vor langfristigen Schädigungen und Einschränkungen bei der Nutzung des eigenen Körpers zu bewahren. Im Falle von Nahrung lässt sich eine angemessene Nutzung manchmal früher, oftmals erst im Laufe der Zeit am Körper erkennen. Keine Nutzung (und Besitz) von Nahrung ist aber nachhaltig nicht angemessen.

 

Bei der Kleidung lässt sich in der Regel unmittelbar der Sinn der Nutzung, selten aber der angemessene Besitz erkennen. Sitzen wir im öffentlichen Raum, im Zug oder im Restaurant oder wo auch immer, einem Menschen gegenüber, der Hemd und Hose trägt, empfinden wir dies als durchaus angemessen. Am Strand empfänden wir dies, je nach Wetter, gegebenenfalls als ungewöhnlich, aber auf keinen Fall unangemessen. Eine angemessene Nutzung von Kleidung liegt in den meisten Fällen im Bereich der Subjektivität - und das ist auch gut so. Bei Kleidung lässt sich die Nutzung selten objektiv in angemessen oder unangemessen einteilen. Dies gilt für die Nutzung und den Nutzen.

 

Der angemessene Besitz von Kleidung aber lässt sich nachhaltig objektiv bewerten, im Rahmen des tatsächlichen Nutzens eines einzelnen Kleidungsstücks und der notwendigen Menge an Kleidungsstücken. Diese Bewertung funktioniert auch über die Grenzen seelischer Befindlichkeiten hinaus. Auch ein Mensch, dessen gesellschaftliche Stellung oder psychischer Zustand eine verhältnismäßig große Menge von Kleidung als angemessen erscheinen lassen darf, kann eine angemessene Menge an Kleidung für seine persönliche alltägliche Nutzung ermitteln. In der Regel wird es, unabhängig von Stand und Einkommen, weniger sein, als derzeit tatsächlich genutzt und besessen wird. In der Regel besitzt ein Deutscher nicht unangemessen mehr Kleidung als notwendig, aber mehr als angemessen im Hinblick auf Sinn und Nutzen.

 

Sinn und Nutzen eines Hauses oder einer Wohnung stehen in der Funktion als Schutz vor den Einflüssen von Klima und Wetter, und zum Schutz vor unmittelbaren Gefahren durch Mensch und Tier ausser Frage. Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben, einen privaten Raum zum Schutz von Leib und Leben, aber auch zum Schutz von Privatsphäre, zu Besitzen oder wenigstens uneingeschränkt Nutzen zu können (soweit dies keine Einschränkung anderer Leben nach sich zieht).

 

Sinn und Nutzen geschützten Lebensraums für jeden einzelnen Menschen schränkt im Umkehrschluss die Möglichkeiten für jeden einzelnen Menschen ein. Sowohl vorhandener Platz (speziell in Ballungszentren, generell auf der Erde), wie auch Material für die Herstellung von Häusern (und Hütten, was das betrifft), relativiert sich im Wachstum der Erdbevölkerung. Je mehr Menschen es gibt, desto weniger Platz und Rohstoffe können an den einzelnen verteilt werden. Trotz allem kann es bei nachhaltiger Nutzung von Raum und Platz ausreichend von beidem für die wachsende Erdbevölkerung geben.

 

Problematisch wird es in dem Moment, wo der individuelle Bedarf an Raum subjektiv falsch eingeschätzt wird. Den Platzbedarf für einen Menschen als allgemeine Richtgröße ermitteln zu wollen, hätte vor dem Hintergrund gerade auch der deutschen Geschichte etwas abstoßend zynisches an sich. Dennoch kann jenseits aller Subjektivität und in einer Annährung an eine relative Objektivität festgestellt werden, dass einzelne Gruppen von Menschen (dies gerade auch in Deutschland) mehr Schlösser als Könige haben. Jedem Milieu sein König, aber nicht jedem König ein Schloß, wenn es die Möglichkeit anderer, Raum und Schutz für sich zu erbitten, einschränkt.

 

Eine hinfällige Hütte in Somalia, in der sich ein Dutzend Menschen in kalten Nächten dicht drängen, um Raum wie auch Wärme zu teilen, kann ein derber und frecher Vergleich sein zu einer 3-Zimmer-Sozialbauwohnung in Bautzen, in der sich ein junges Paar mit einskommadrei Kindern mit einer alten Kohle-Heizung müht. Doch sowohl in gefühlter Sichtweite jeder Lehmhütte, wie auch wenige Auto-Minuten von der Sozialwohnung entfernt, verzerrt ein relatives Schloß die Wahrnehmung von Sinn und Nutzen vermeintlich objektiven Platzbedarfs.

 

Eine Debatte über die gerechte Verteilung von Hab und Gut in einer Gesellschaftsstruktur, die ein Land im Idealfall einvernehmlich abbildet, tendiert in der Regel auf der einen Seite zu einem Umverteilungsbestreben, auf der anderen Seite zu einer Diskussion über Neid und die Möglichkeiten jedes Einzelnen, sein Glück erzwingen zu können. Diese Diskussion vernachlässigt den Blick über den Zaun einer abgegrenzten Gesellschaft, in die direkte Nachbarschaft und, wichtiger, in die Realitäten anderer Menschen, Völker und Gesellschaftsstrukturen auf dem gesamten Globus. Im Vergleich ist der Weg von der Sozialwohnung in Bautzen zu der Lehmhütte in Somalia fast unüberwindbar, zumindest wesentlich weiter, als der Weg von der Villa in Blankenes nach Somalia, dem leichten geografischen Vorsprung zum Trotz.

 

Weiter vernachlässigt wird oftmals auch die, gerade in der Nachhaltigkeitsfrage notwendige, Frage nach dem sinnvollsten Baumaterial; so banal und naiv diese Frage erscheinen mag. In der Öko-Bilanz eines Menschen schlagen einige Baumaterialien zum Teil wesentlich stärker zu Buche als andere, in diesem Land derzeit noch wenig gefragte Materialien. Zum Beispiel kostet der Einsatz von Zement/Beton oder Styropor im Verhälnits zum (vermeintlichen) Mehrnutzen eine ungebührliche Menge an Energie, die durch den Einsatz dieser Materialen schwer eingespart werden kann (von der Entsorgunsproblematik ganz zu schweigen). Bewährte und nachweislich sinnvolle Alternativen wie zum Beispiel der massive Holz-Rahmen-Bau entlasten dadurch über die Kausalkette dann irgendwann auch den Reis-Preis in Burma. Aber das ist eine ganz andere Diskussion.

 

Haus und Hof zu besitzen ist sinnvoll und stiftet dem Einzelnen unmittelbaren Nutzen. Zu viel Grund zu besitzen, schränkt den Freiraum (und damit möglichen Schutz von Leib und Leben) anderer Menschen zwangsläufig ein. Ein großes Haus gibt dem Einzelnen nicht mehr Schutz als möglich, nimmt aber anderen Menschen (auch weltweit) Ressourcen, und schränkt damit wiederum zwangsläufig die Möglichkeiten ein, Leib und Leben zu schützen. Die Diskussion um einen objektiv wertbaren Platzbedarf für einen einzelnen Menschen mündet in der Frage, welchen Schaden dieser einzelne Mensch durch eingenommen Raum unmittelbar der Natur und langfristig anderen Menschen zufügt.

 

Besitz, wie man sagt, verpflichtet - letztlich sinnvoll auch zur Öffnung von Haus und Hof für seine Mitmenschen. Habe ich ein Zimmer zu viel? Es gibt immer jemanden, der keinen Platz zum Schlafen, also zum Schutz von Leib und Leben hat. Habe ich ungenutztes (oder nicht sinnvoll genutztes) Land? Es gibt immer jemanden mit einer guten Idee, die mangels Platz und Raum ins Nichts läuft. Besitz verpflichtet Kopf und Herz. Auch über Ungenutztes hinaus.

 

Viele Gegenstände sind uns alltäglich, erleichtern das Leben, schenken Komfort. Viele Dinge sind heute oftmals notwendig - Kühlschrank, Computer, Auto - und geben nicht nur Hilfe im Alltag. Viele technische Errungenschaften schenken den Menschen nicht nur direkte Hilfe bei der Verrichtung täglicher oder anderer notwendiger Aufgaben. Als Folge der Erleichterung vieler Aufgaben generiert technischer Komfort unmittelbar Zeit, die vorher in der Arbeit gebunden war. Möchte ich einen Rasen kürzen, hilft ein (alltäglich scheinender) Rasenmäher schnell, eine (antiquar scheinende) Sense irgendwann auch - nur eben nicht schnell. Ist ein Brett zu sägen: Fuchsschwanz oder Kreissäge? Ist ein Loch zu bohren: Bohrhammer - oder Handbohrer? Möchte ich einen Kuchen backen? Nicht immer ist ein Mixer zur Hand...

 

Diese recht banalen Beispiele zeigen gut das Verhältnis von Besitz (man hat einen Rasenmäher) zu Zeit und damit zur körperlichen Belastung (man hat nur ein Sense, und die ist alt und ungeschärft). Besitz gewährt uns Zeit und körperliche Gesundheit. Geringer Besitz kann ein Zeitdieb sein, zu Lasten von Möglichkeiten, sich Freiraum und Komfort zu erarbeiten. Fängt ein relativer Wohlstand (in Form von Besitz) an, uns zeitlichen Freiraum zu verschaffen, kann dies den Weg frei machen, uns weiteren Wohlstand, und damit weitere freie Zeit zu erarbeiten.

 

Diese positve Zeit/Wohlstand-Spirale kommt heute immer seltener zum Tragen. Relativer Wohlstand: ja, in Form von einfachem Besitz. Generieren freier Zeit: ist erst ab einem bestimmten Punkt relativen Wohlstands möglich, der erst ab einer gewissen Stufe der Komfort-Leiter erreicht werden kann. Um diesen Punkt zu erreichen ist Besitz, also Kapital notwendig, das uns Möglichkeiten gibt, über das Alltägliche hinaus investieren zu können. Dieses Kapital können wir in der freien Zeit erarbeiten, die uns der relative Wohlstand gewährt.

 

Aber an welchem Punkt setzt diese Spirale an? Oftmals ist schon die erste Stufe eine zu große Hürde, weil das tägliche Überleben nichts anderes als sich selbst in den Fokus stellen kann. Erst wenn der Bauch voll ist, können uns unsere Füße in den Baumarkt tragen. Wenn wir dafür dann noch Zeit haben.

 

Der Besitz von Gütern (banal: Rasenmäher, Backofen, Auto) gibt Menschen die Möglichkeit, sich Zeit zu verschaffen. Oftmals fristet unser Besitz darüber hinaus aber ein eher philosophisches Dasein: er ist. Den größten Teil seiner Lebenszeit verbringt unser Wohlstand in Wartestellung.

 

Wie oft und wie lange benutzen Menschen ihr Auto? Oft täglich, aber oftmals auch im überschaubaren Maß. Wie lange oder wie oft benutzen Menschen Herd und Ofen? Oftmals nicht mal mehr täglich, wenn sich in der Menü-Planung die Mikrowelle die Herrschaft anzueignen droht... Wie oft benutzen Menschen ihren Rasenmäher? Pro Monat - oder in tatsächlichen Nutz-Stunden während der Garantie-Zeit? Ein Rasenmäher pro Haushalt, zwei Autos, drei Akku-Schrauber...

 

Große Teile unserer Besitztümer liegen brach, verkommen in der Bereitschaft, ihrem Wert durch Nutzung gerecht zu werden. Und können eben dies nicht: ihre Aufgabe im Rahmen ihres Wertes erfüllen. Schon der Wertverlust eines Neuwagens - alleine durch den Faktor Zeit - sollte zu denken geben. Oftmals halten wir an Werten fest, die ungenutzt vor unseren Augen zerrinnen, während wir die Menschen bemitleiden, die sich keine Werte schaffen können - weil dafür Geld fehlt, welches mit Zeit erarbeitet werden könnte. Besitz dreht die Welt im Kreis.

 

Muss dein Nachbar in die Kreisstadt fahren, um amtliches zu erledigen, oder um notwendige Dinge zu besorgen, oder gar um zu einen Arzt zu gehen? Lass ihn nicht zu Fuß zum Bahnhof gehen, oder sich ein Taxi rufen. Gib ihm dein Auto für die Fahrt in die Kreisstadt. Er wird damit wiederkommen; er wohnt nebenan. Oder, besser: fahr ihn hin, wenn Du Zeit hast. Vielleicht wolltest du eh schon lange mal wieder in diese Richtung fahren. Der Nachbar wird das nicht aufdringlich finden; anfangs höchstens ungewohnt - aber sicherlich nicht ungewöhnlich.

 

Besitz verpflichtet unseren Kopf, dem Herzen freie Hand zu lassen. Und uns die Augen zu öffnen für alltägliche Nöte um uns herum. Wir können alleine nicht die Welt retten, sie aber besser machen.

 

Eben auch an dieser Stelle und in solchen Momenten ist unser relativer Wohlstand genau dies: relativ. Neben dem Rasenmäher im Schuppen und dem Zweitwagen in der Garage, horten wir Sicherheit auf Bankkonten, in Fonds, in Aktienpaketen, unter Kopfkissen, und sehen der Welt dabei zu, Not zu haben. Und diese Welt fängt manchmal schon vor unserer Haustür an. Manchmal geht es um das Große: wenn Gemälde zu Preisen von Krankenhaus-Flügeln versteigert werden (nach einem Zitat von del Amitri). Manchmal geht es um das Kleine: wenn für den alten Mann von nebenan die Rente schon am 20. des Monats vorbei ist: Einer mehr wird immer satt. Wenn die allein erziehende Mutter, die du aus dem Kindergarten kennst, den kurzen Ausflug zum Bauernhof nicht bezahlen kann. Niemand sollte zurück bleiben müssen. Wenn ein guter Freund nächsten Monat nicht mit ins Konzert kann, weil seine Waschmaschine letzten Monat den Geist aufgegeben hat. Was heißt "gut", was heißt "Freund" für einen Menschen? Auf Augenhöhe  - oder auf Herzenshöhe?

 

Natürlich hört bei Geld die Freundschaft auf, wenn wir Unterschiede zulassen. Ein Freund auf Augenhöhe kann eine Bekanntschaft auf Basis vergleichbarer Möglichkeiten sein: ähnliche Eigentumsverhältnisse, ähnliche Beschäftigungsverhältnisse, ähnliche Familienverhältnisse, ähnliches Alter.

 

Natürlich haben Menschen im gleichen Alter ähnliche Erfahrungen in vielen Dingen. Es wurden die selben Jahrzehnte erlebt, gleiche Lehrmeinungen durchlaufen, gleiche Weltsichten vermittelt. Die Sicht auf akutes Leben relativiert jegliche Erfahrung in den unbegrenzten Möglichkeiten, die unsere ausufernde Freiheit jedem einzelnen Menschen gewährt. Es gibt keinen stereotypen Lebensstil, der sich auf ein Gemeingut alterbedingter Erfahrungen stützen kann. Diese Zeit fällt von uns ab, sobald die ersten Schritte in Richtung Individualität gegangen wurden. Und dies kann mit 18 Jahren sein. Bei manchem Menschen ist dies mit 60 Jahren noch nicht passiert.

 

Entsprechend kann niemand für sich eine korrekte Weltsicht oder Altersweisheit beanspruchen, der sich auf einen Altersvorsprung begründet. Niemand kann orakeln, welches Lebensmodell das gesellschaftlich, ethisch oder individuell korrekte ist. Kinder ja, wenn nicht: wie viele dann doch? 50 Jahre Ehe - oder lieber loser Verbund im wechselnden Patchwork? Die Freiheit, alles tun zu dürfen, nimmt uns viele Möglichkeiten. Mit dem Blick auf die jeweils nächste Gelegenheit bekommt der Moment ein Ablaufdatum. Wir halten an der Liebe fest, solange sie uns halten lässt. Oder es uns sinnvoll erscheint, für den Moment.

 

In der Bemühung, für sich selbst jeweils das Ideal zu erreichen (in der Liebe oder in Freundschaften, bei der Wahl der Arbeitsstelle oder des besten Urlaubsortes), zerrinnen oftmals genau diese Möglichkeiten. Das beste Hotel hat sein letztes Zimmer vergeben, weil wir zu lange nach dem einen vielleicht noch besseren Platz gesucht haben. Unsere Traumarbeisstelle ist besetzt wurden, während wir im endlosen Netz nach der einen noch besseren Stelle gefahndet haben. Der beste Freund ist weg, weil ein Leben auf (finanzieller) Augenhöhe nicht möglich war. Die Liebe des Lebens ist weg, weil die Suche nach dem idealen Leben immer Opfer fordern wird: erst Zeit, dann Struktur, dann Überblick, dann Freundschaft und Liebe.

 

Alle Besitztümer der Welt sind relativ: relativ im Wert für den Einzelnen, und relativ unfair verteilt. Die Suche nach Wohlstand und die Verwaltung von Besitz kostet Zeit, die wir anderen nicht geben können. Zumindest das ist allen Menschen gleich: jeder Mensch hat genau ein Leben, das ihm zur Verfügung steht. Dieses Leben bringt (im günstigsten Fall) einige Dekaden an Zeit mit sich, die zu nutzen unsere erste und am Ende auch einzige Aufgabe ist. Was uns das Leben auch zumutet: die Zeit wird bleiben, im Guten wie im Schlechten.

 

Wir können uns endlos mit uns beschäftigen, uns laben an schönen Dingen, uns freuen an der Sicherheit, die uns unser relativer Wohlstand bringt. Wir können uns von unsere unendlichen Freiheit begrenzen lassen auf eine Horde von Individuen, von denen jedes der Mittelpunkt einer eigenen Welt ist, die so lose miteinander verzahnt sind, dass sie selbst im leichtesten Sturm nicht beieinander bleiben werden. Wir können Zeit horten für die Suche nach dem größtmöglichen Maß an Freiheit. Bis unsere Freiheit alles ist, was wir haben. Freiheit, ein Übermaß an Zeit und ein verrostender Rasenmäher im Gartenhaus.

 

Torsten Saxer

20.10.2013

 

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