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Ding-O-Thek

Leben meistert sich angenehmer in den Annehmlichkeiten von Besitz. Fast jedes Problem lässt sich sinnvoll durch den Erwerb und die Nutzung von Hab und Gut lösen. Mir ist kalt und es regnet? Ein Dach und vier Wände! Ich habe Hunger und Durst? Ein gefüllter Kühlschrank in der eigenen Küche! Ich muss von hier nach dort? Füße in Schuhen, ein Fahrrad oder sogar ein eigenes Auto!

 

Du hast kein Auto? Frag einen Freund!

Du hast keinen Kühlschrank? Frag einen Freund!

Du hast derzeit kein Dach über dem Kopf. Frag einen Freund...

 

Nicht jeder Mensch, dem es an Hab und Gut zur Lösung der meisten Probleme mangelt, hat den perfekten Satz an Freunden, um ihn zu unterstützen. Aber da nicht jeder, der nicht ein Freund ist gleich ein Feind sein muss (das ist sogar erstaunlich selten der Fall...), verschwimmen Begriffe wie Freund, Bekannter oder "jemand, den man irgendwie kennt".

 

Not, Bedürftigkeit oder zumindest die Begehrlichkeit gehen oftmals nicht hausieren. Nicht jeder, der nicht nach "mal ´ne Mark" fragt, ist nicht auf die Hilfe von anderen angewiesen. Ist vielen Fällen wird einfach nicht mehr gefragt, weil oft nicht geholfen wird, wenn die Not nicht hausieren geht.

 

Oftmals sind Bedürftigkeiten und Begehrlichkeiten banal: jemand braucht ein Auto, um zum Arzt zu kommen. Oder jemand benötigt ein Bett für ein paar Nächte, warum auch immer. Oder jemand braucht einfach kurz eine Bohrmaschine, geliehen für 2 bis 3 Löcher in der Wand, ein Fahrrad für den jährlichen Betriebsausflug, einen Anzug für das lang erhoffte Vorstellungsgespräch. Oder, banaler: ein offenes Ohr, weil die Mutter krank oder der Ehemann fort ist.

 

Alle einfachen oder noch nicht schweren Probleme liessen sich gut lösen, mit etwas Hilfe einer helfenden oder gebenden Hand, oder auch nur mit etwas geschenkter Zeit. Aber: nein!

 

Je besser es dem Einzelnen geht, desto sicherer fühlt er sich, umgeben von Hab und  Gut, und zwangsläufig von der zusätzlichen Zeit, die ihm Hab und Gut (durch einfachere und schnellere Lösung der täglichen Aufgaben) bescheren. Spirale und Progression, für beide Seiten.

 

Die Angst vor Wohlstandsverlust bindet auch Zeit und Leben in der ständigen Verteidigung des vermeintlich Erreichten. Was an Zeit durch den Aufbau von Hab und Gut gewonnen werden konnte, verpufft in der Verteidigung des Vorsprungs vor dem Nächsten, der nur "jemand, den ich kenne", bestenfalls ein Bekannter, oder eben gerade noch ein Freund ist. Ein Freund, bis er ein Freund in Not ist, oder bedürftig oder auch nur ein Freund mit einem Begehr.

 

Das Leben schenkt uns keine Freunde. Wir schenken Freunden Leben. Leben, in einer Art sogar sprichwörtlich. Je stärker unsere Bindung an Hab und Gut ist, desto schneller zieht das Leben anderer an uns vorbei.

 

Wir dürfen uns fragen: Was haben wir? Was brauchen wir davon, und wie oft und wie lange? Und: wer kann es noch gebrauchen, wie oft und wie lange? Wie oft benutzt man seine Bohrmaschine, die wieviel Geld (meist überschaubar für den, der eine hat) im Kellerregal ungenutzt bindet? Wieviel Platz haben wir in unserem Haus, unserem Ferienhaus, unserem Garten - und nutzen wir den Platz rational und sinnstiftend? Und: geht unser Herd kaputt, wenn wir für eine Person mehr kochen (anstatt vielleicht sogar eine Portion auf den Kompost zu tragen!)?

 

Es gäbe viel zu geben. Tun wir es uns an!

 

 

 

 

 

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© Torsten Saxer